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Nachrichten, Projekte 2 nov 2022

SBB bereitet Weg für zirkuläre Architektur

2028 sollen die ersten Mieter:innen im neuen Areal Wolf Basel einziehen. Als Grundstückseignerin und Bauherrin beschreitet die SBB mit Partnern neue planerische Wege. Über die ersten Learnings der Beteiligten mit Kreislaufwirtschaft im Bau berichtet Samuel Pillichody, Gesamtprojektleiter SBB Immobilien Development Anlageobjekte Mitte.

SBB bereitet Weg für zirkuläre Architektur

Wo heute auf einer Fläche von rund 16 Hektaren unter anderem Freiverlad, City-Logistik und ein Containerterminal auf dem Basler Güterbahnhof angesiedelt sind, wird zukünftig Raum für Gewerbe, Büros und zum Leben sein. Bei der Planung des neuen Quartier Wolf Basel hat die SBB als Grundeigentümerin zusammen mit dem Kanton Basel-Stadt Neuland betreten. In diversen Studienaufträgen erfolgte eine Abschätzung der einsparbaren Treibhausgas-Emissionen bei Wiederverwendung anstelle von Neukauf von Materialien. Für den Architekturwettbewerb werden konkrete Kriterien erarbeitet, welche einen haushälterischen Umgang mit den vorhandenen Materialien vorschreiben und Emmissionen vermeiden oder vermindern.

Für die SBB ist dies ein weiteres Leuchtturmprojekt, mit dem sie ihrer Vorreiterrolle als eine der grössten Auftraggeberinnen der Schweiz mit jährlichen Beschaffungen in der Höhe von CHF 6 Milliarden nachkommt. Wie die SBB und ihre Partner bei der Vorbereitung eines zirkulären Architekturwettbewerb für das Projekt Wolf Basel vorgegangen sind und was sie dabei gelernt haben, verrät Samuel Pillichody, Gesamtprojektleiter SBB Immobilien.

Am Anfang das Ende planen: Erarbeitung von Wettbewerbskriterien im Team

Aufnahme der Bestandsbauten: Aus Messdaten von Drohnen, Scan und Tachymeter erstellte BIM Facility ein BIM-Modell. In diesem sind die Bauteile nicht nur bildlich, sondern als «Objekte» erfasst. Deren Masse und Materialisierung sind in einem vordefinierten Detailierungsgrad bekannt. Das BIM-Modell gibt Auskunft darüber, welche Materialien wo verbaut wurden und bei einem Rückbau frei werden könnten.

Erstellung eines Materialpasses: Das BIM-Modell wurde auf der Online-Plattform Madaster registriert, mit den Informationen der dort verfügbaren Datenbanken «angereichert» und in einem Materialpass dargestellt. So ergab sich nicht nur eine Übersicht über alle verbauten Materialien und Produkte, deren Mengen und Standorte im Gebäude. Ebenso wurde das Wiederverwendungspotenzial der Materialien und der Zirkularität der Gebäude anhand eines Indexes ausgewiesen.

Bauteilanalyse und zeitliche Relevanz: Die daraufhin von Drees & Sommer erstellte Bauteilanalyse gab Aufschluss über die Materialklasse, die Demontierbarkeit und das Schadstoffrisiko der Bauteile. Besonders relevant für den Architekturwettbewerb war die Auswertung nach der Entwurfsrelevanz und identitätsstiftenden Charakteristika der Bauteile. Alte Lagerhallen-Gerüste oder die Bahnhofsuhren der SBB etwa sind höchst identitätsstiftend und sollten möglichst vor Ort wiederverwendet werden. Vor allem im Ausbau, der äusseren Wandbekleidung und bei der Konstruktion/Rohbau wurde ein hohes Einsparpotential von CO2-Equivalenten und der ökologische Mehrwert der Wiederverwendung sichtbar.

Wettbewerbsrelevante zirkuläre Kriterien: Zirkular legte anschliessend Kreislaufwirtschafts-Kriterien für den Architekturwettbewerb fest. Kriterien waren etwa ein hoher ReUse-Anteil, Design for Disassembly, tiefe Erstellungsemissionen, Langlebigkeit und Umnutzbarkeit. Diskutiert wurde auch, wieviel im Architekturwettbewerb vorgeschrieben werden sollte ohne den kreativen Entwurfsprozess unverhältnismässig einzuschränken.

Aus der Zusammenarbeit für die Zukunft gelernt

Die Bauherrin SBB und ihre Partner verbuchen das Projekt als Erfolg. Alle konnten vieles über die Realisierung von Kreislaufwirtschaft im Bau lernen. Insbesondere eine Fragestellung stand oft im Raum: Wie präzise müssen welche Daten erhoben werden?

Die digitale Durchgängigkeit der Daten ist essenziell für die Effizienz der Zusammenarbeit. Die Art und Genauigkeiten der Daten müssen stimmen, damit alle Beteiligten über das Gleiche sprechen können. Architekturbüros erhalten den «Baukasten» der verfügbaren Bauteile und können ausgehend davon planen. Nicht wiederverwendete Bauteile könnten mit wenig Aufwand aus dem Materialpass konsolidiert  auf Online-Bauteilbörsen veräussert werden.

Am Beispiel der Bahnhofsuhren wurde offensichtlich, dass Bauherrn mehr Erfahrung bei der Bestellung von zirkulären Gebäuden benötigen. Die Uhren waren nicht Teil der BIM-Bestellung und wurden deswegen nicht in der Bestandsaufnahme erfasst. Erst in der Bauteilanalyse wurde erkannt, dass sie durch ihren identitätsstiftenden Wert sehr interessant sein könnten für die Wiederverwendung. Zukünftig würde man für die Bestellung der Bauteilanalyse wissen wollen, welche Bauteile für das BIM-Modell bestellt werden müssen. Eine frühzeitige Abstimmung zwischen dem Ersteller des BIM-Modells und der darauffolgenden Bauteilanalyse ist angebracht. Ebenfalls muss sich die Bauherrin im Klaren über die Ziele und die Wirksamkeit sein, welche sie mit der Kreislaufwirtschaft erreichen will. Nicht mit jeder Massnahme werden dieselben Zeile erreicht.

Auch wurde offensichtlich, dass heutige Rückbauprozesse überdacht werden müssen. Standardmässig wird heute ein Gebäude abgerissen und dann auf der grünen Wiese mit der Planung eines Neuen begonnen. Optimalerweise würde man allerdings den architektonischen Entwurf ausgehend von der vorhandenen Substanz gestalten. Dazu müsste man in der Wettbewerbsausschreibung anregen, dass der Rückbau bei der Planung mitgedacht werden sollte. Zudem sollte es möglich sein, die Rückbaubewilligung und neue Baubewilligung zusammenzulegen. Diese finden in der Schweiz aktuell nur getrennt statt. Auch Fragen der Zwischenlagerung gilt es derzeit noch zu klären.

In Kürze startet der Architekturwettbewerb. Die Eingaben werden neue Möglichkeiten zirkulären Bauens aufzeigen. Projekte wie Wolf Basel sind für die Transformation des Schweizer Bauwesens fundamental. Das gemeinsame Lernen und Verstehen bildet die Basis für eine zukunftsfähige Schweizer Bau- und Immobilienbranche.

Die SBB koordiniert ihre Aktivitäten im Bereich Kreislaufwirtschaft in einem Kompetenzzentrum Kreislaufwirtschaft.

Mehr Informationen finden sich auf der Webseite der SBB: https://company.sbb.ch/de/ueber-die-sbb/verantwortung/nachhaltigkeit/umweltschutz/kreislaufwirtschaft.html

Kontakt

Daniel Zogg,  Fachverantwortung Kreislaufwirtschaft SBB Immobilien, daniel.zogg@sbb.ch

Samuel Pillichody, Gesamtprojektleiter SBB Immobilien Development Anlageobjekte Mitte, samuel.pillichody@sbb.ch

https://www.bim-facility.ch/

https://www.dreso.com/ch/

https://zirkular.net/

© SBB CFF FFS

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